Dipl.- Ing. Architekt VFA Manfred von Bentheim ö.b.u.v. Sachverständiger

Teil 6: Umbauzuschlag (§ 7 und §36(1) HOAI 2013 für die Objektplanung Gebäude) – Serie von Manfred v. Bentheim

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10 Honorarparameter nach der HOAI 2013
Hinweise zur Vertragsgestaltung, zur Leistungserbringung und zur Honorarschlussrechnung

Einführung
Unser geschätzter Kollege Dipl.- Ing. Archi­tekt Manfred v. Bentheim ist öffentlich be­stellter und vereidigter Sachverständiger für die Honorare und Leistungen der Archi­tekten und Ingenieure und Sachverstän­di­ge für Urheberfragen an Werken der Bau­kunst.


Was sagt die Vorschrift?
„Umbauten sind Umgestaltungen eines vorhandenen Objekts mit wesentlichen Eingriffen in Konstruktion oder Bestand.“ (§ 2 (5) HOAI 2013).
„Für Umbauten und Modernisierungen von Gebäuden kann bei einem durchschnittlichen Schwierigkeitsgrad ein Zuschlag gemäß § 6 Absatz 2 Satz 3 bis 33 Prozent auf das ermittelte Honorar schriftlich vereinbart werden.“ (§ 36 (1) HOAI 2013).

Was bedeutet die Vorschrift in der Anwendung?
Der Umbauzuschlag ist der Höhe nach schriftlich zu vereinbaren; die Schriftform (beide Unterschriften auf einem Dokument ! > § 126 BGB). Fehlt es an dieser Vereinbarung, kann nach § 6 (2) HOAI 2013 nur ein Umbauzuschlag von 20 % auf das ermittelte Grundhonorar berechnet werden; dies setzt jedoch voraus, dass das Objekt der Honorarzone III oder höher zuzuordnen ist.

Praxistipps des Sachverständigen
Der Umbauzuschlag gilt auch für Modernisierungen; dies sind gem. § 2 (6) HOAI 2013 „… bauliche Maßnahmen zur nachhaltigen Erhöhung des Gebrauchswertes eines Objekts…“.
Argumente für eine Erhöhung des Umbauzuschlages über den Mindestsatz von 20 % hinaus, können (immer projektbezogen) beispielsweise lauten:

  • Einbindung, Anpassung oder Übernahme von Vorgaben aus Konstruktion, Technik und Gestaltung
  • Mehrere Maßnahmen an einem Objekt
  • Zusätzlich erforderliche Maßnahmen im Bestand aufgrund behördlicher Auflagen
  • Umgang mit vorgefundenen unterschiedlichen und/oder ungebräuchlichen Konstruktionen
  • Anpassung der Substanz an gültige Vorschriften und Normen
  • Vorhandene Schadensbilder oder Vorschädigung der Substanz
  • Formulierung besonderer Ausschreibungstexte
  • Zusätzliche Aufmasskontrolle überdeckter Bauteile
  • Rechnungsprüfung von Leistungen nach Aufwand
  • Ausführungsabwicklung bei laufendem Betrieb
  • Erhöhte Baustellenpräsenz zur umgehenden Reaktion auf Unvorhergesehenes
  • Erhöhte Baustellenpräsenz zur Qualitätssicherung und -kontrolle
  • Anforderungen an Bauausführungszeiten oder Bautakte

Die Anzahl der zutreffenden Erschwernisse kann ein Faktor zur Erhöhung des Honorarsatzes darstellen.
Der Umbauzuschlag schliesst nicht die Berücksichtigung des Wertes der mitzuverarbeitenden Bausubstanz aus (wie es öff. Auftraggeber gerne vereinbaren würden); dieser kann immer bei den anrechenbaren Kosten berücksichtigt werden.

Bereits veröffentlichte Beiträge:

  1. Objekte (im Brief Februar 2017)
  2. Grundleistungen und Besondere Leistungen (§3)
  3. anrechenbare Kosten (§ 4)
  4. Honorarzone (§ 5)
  5. Honorarsatz (§ 7)

Weitere Beiträge zur HOAI 2013 sind wie folgt vorgesehen:

  1. Instandsetzungszuschlag (§ 12)
  2. mitzuverarbeitende Bausubstanz (§ 4 Abs. 3)
  3. Nebenkosten (§ 14)
  4. Honorarschlussrechnung (§ 15)

 

Dipl.- Ing. Architekt VFA Manfred v. Bentheim, 65232 Taunusstein
ö.b.u.v. Sachverständiger für die Honorare und Leistungen der Architekten und Ingenieure
www.HOAI-Beratung.de

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