Dipl.- Ing. Architekt VFA Manfred von Bentheim ö.b.u.v. Sachverständiger

Teil 9: Nebenkosten (§ 14 HOAI 2013) – Serie

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10 Honorarparameter nach der HOAI 2013
Hinweise zur Vertragsgestaltung, zur Leistungserbringung und zur Honorarschlussrechnung

Einführung
Unser geschätzter Kollege Dipl.- Ing. Archi­tekt Manfred v. Bentheim ist öffentlich be­stellter und vereidigter Sachverständiger für die Honorare und Leistungen der Archi­tekten und Ingenieure und Sachverstän­di­ge für Urheberfragen an Werken der Bau­kunst.


Was sagt die Vorschrift?
„Der Auftragnehmer kann neben den Honoraren dieser Verordnung auch die für die Ausführung des Auftrags erforderlichen Nebenkosten in Rechnung stellen; ausgenommen sind die abziehbaren Vorsteuern …. Die Vertragsparteien können bei Auftragserteilung schriftlich vereinbaren, dass abweichend von Satz 1 eine Erstattung ganz oder teilweise ausgeschlossen ist.

Nebenkosten können pauschal oder nach Einzelnachweis abgerechnet werden. Sie sind nach Einzelnachweis abzurechnen, sofern bei Auftragserteilung keine pauschale Abrechnung schriftlich vereinbart worden ist.“ (§ 14 Absatz 1 und 3 HOAI 2013).

Diese Regelung stellt sicher, dass der Auftragnehmer auf jeden Fall einen Anspruch auf Erstattung aller entstandenen (und erforderlichen!) Nebenkosten hat, hat aber den Nachteil, dass für die Anwendung des Regelfalls ständige Aufzeichnungen erforderlich sind.

Was bedeutet die Vorschrift in der Anwendung?
Die weitgehend übliche pauschale Berücksichtigung der Nebenkosten stellt die Ausnahme dar: die Regel ist der Einzelnachweis, der jedoch einen erheblichen Aufwand erfordert.
Wird die pauschale Abrechnung nicht schriftlich vereinbart, verbleibt dem Planer (im Honorarprozess) nur noch, (nachträglich) den Einzelnachweis zu führen.
Eine Pauschale von 10 % hat der BGH als „deutlich überhöht“ und damit unzulässig erklärt (BGH, Urteil vom 25.09.2003, AZ. VII ZR 13/02); dem kann nicht gefolgt werden, da die Erstattung der Nebenkosten völlig unabhängig vom Honorar und dem „Höchstpreischarakter“ der HOAI erfolgt.
Erfahrungsgemäss ersetzt (heute) eine Nebenkostenpauschale unter 10 % die tatsächlich entstehenden/entstandenen Nebenkosten nur zum Teil.
Daher kann es sinnvoll sein, die leicht zu erfassenden Nebenkosten (Reisekosten, Baustellenbüro usw.) und Plots (von Dienstleistern) auf Nachweis zu führen, für die Fahrtkosten zwischen Büro und Baustelle eine Pauschale je Fahrt (in EURO) und für die übrigen Nebenkosten (Kopien usw.) eine prozentuale Vereinbarung zu treffen; die Verordnung lässt dies zu.

Praxistipps des Sachverständigen
1. Bevor der Auftraggeber (z.B. öff. AG) eine Pauschale von 3 oder 4 % vorschlägt, treffen Sie besser lediglich eine Fahrkostenvereinbarung (EURO je Fahrt zur Baustelle) und lassen insbesondere Kopien & Plots von Dienstleistern erbringen und belegen.

2. Für Verhandlungen mit öff. Auftraggebern könnten auch die Rift-Empfehlungen (Grundwerk unter: http://www.vbv.baden-wuerttemberg.de/pb/,Lde/Startseite/Service/RifT+Bund) im Abschnitt 12 herangezogen werden; allerdings scheinen auch die dort empfohlenen Nebenkostenpauschalen nicht auskömmlich zu sein (Auftraggeberinteresse!).


Bereits veröffentlichte Beiträge:

  1. Objekte (im Brief Februar 2017)
  2. Grundleistungen und Besondere Leistungen (§3)
  3. anrechenbare Kosten (§ 4)
  4. Honorarzone (§ 5)
  5. Honorarsatz (§ 7)
  6. Umbauzuschlag (§ 7 und §36(1) HOAI 2013 für die Objektplanung Gebäude)
  7. Instandsetzungszuschlag (§ 12)
  8. Mitzuverarbeitende Bausubstanz (§ 4)

Weitere Beiträge zur HOAI 2013 sind wie folgt vorgesehen:

  1. Honorarschlussrechnung (§ 15)

 

Dipl.- Ing. Architekt VFA Manfred v. Bentheim, 65232 Taunusstein
ö.b.u.v. Sachverständiger für die Honorare und Leistungen der Architekten und Ingenieure
www.HOAI-Beratung.de

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