Dipl.- Ing. Architekt VFA Manfred von Bentheim ö.b.u.v. Sachverständiger

Teil 8: Mitzuverarbeitende Bausubstanz (§ 4 Abs. 3 HOAI 2013) – Serie

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10 Honorarparameter nach der HOAI 2013
Hinweise zur Vertragsgestaltung, zur Leistungserbringung und zur Honorarschlussrechnung

Einführung
Unser geschätzter Kollege Dipl.- Ing. Archi­tekt Manfred v. Bentheim ist öffentlich be­stellter und vereidigter Sachverständiger für die Honorare und Leistungen der Archi­tekten und Ingenieure und Sachverstän­di­ge für Urheberfragen an Werken der Bau­kunst.


Was sagt die Vorschrift?

zum Begriff: „Mitzuverarbeitende Bausubstanz ist der Teil des zu planenden Objekts, der bereits durch Bauleistungen hergestellt ist und durch Planungs- oder Überwachungsleistungen technisch oder gestalterisch mitverarbeitet wird.“ (§ 2 (7) HOAI 2013).
zum Umfang: „Der Umfang der mitzuverarbeitenden Bausubstanz im Sinne des § 2 Absatz 7 ist bei den anrechenbaren Kosten angemessen zu berücksichtigen. Umfang und Wert der mitzuverarbeitenden Bausubstanz sind zum Zeitpunkt der Kostenberechnung oder, sofern keine Kostenberechnung vorliegt, zum Zeitpunkt der Kostenschätzung objektbezogen zu ermitteln und schriftlich zu vereinbaren.“ (§ 4 (3) HOAI 2013).

Was bedeutet die Vorschrift in der Anwendung?

Der Wert der Bausubstanz, die vorhanden ist und mit der sich der Planer technisch oder gestalterisch im Rahmen der Planung und/oder der Ausführung beschäftigen muss, ist nach Absatz 3.3.6 der DIN 276-1: 2008-12 bei den betreffenden Kostengruppen gesondert (z.B. durch eine weitere Spalte auszuweisen.
Dieser Wert wird bei der Innenraumplanung, bei der Tragwerksplanung oder bei der Technischen Ausrüstung stets unterschiedlich sein (ausführlich hierzu: Handbuch HOAI 2013, BKI, Stuttgart 2013, Seite160 ff).
In AHO-Heft Nr. 1 (Oktober 2014) wird eine Methode der Ermittlung nach „Zustandsfaktor“ und „Leistungsfaktor“ vorgestellt, ist aber zu wenig transparent, um vom Auftraggeber verstanden zu werden; als Argumentationskette im Honorarprozess aber denkbar.

Praxistipps des Sachverständigen

  1. Der Wert der mitzuverarbeitenden Bausubstanz und der Umbauzuschlag schliessen sich nicht gegenseitig aus.
  2. Die Ermittlung und Vereinbarung des Wertes der mitzuverarbeitenden Bausubstanz erfolgt (je nach Planungstiefe) nach der Kubikmeter- oder nach der Bauteilmethode unter Abzug von Alter und Abnutzung.
  3. Eine einfache und nachvollziehbare Ermittlung des Wertes der mitzuverarbeitenden Bausubstanz ist zu empfehlen.
  4. Die schriftliche Vereinbarung des Wertes der mitzuverarbeitenden Bausubstanz ist zwar vorgeschrieben, aber keine Anspruchsvoraussetzung; die Vorschrift ist auch dann anzuwenden, wenn eine schriftliche Vereinbarung nicht oder nicht wirksam getroffen wurde.
  5. Der „Umfang der Anrechnung“ ist bei den einzelnen Leistungsphasen (prozentual oder nominal) zu bestimmen (hierzu ausführlich: BGH Urteil vom 27.02.2003 – VII ZR 11/02); in jeder Leistungsphase ist der Betrag dann bei den anrechenbaren Kosten zu addieren.
  6. Die „Angemessenheit“ endet dort, wo ein offensichtliches Missverhältnis zwischen den anrechenbaren Kosten und dem Wert der mitzuverarbeitenden Bausubstanz besteht; erfahrungsgemäss endet die Angemessenheit bei 25 bis 35 %.
  7. Neben dem zitierten BGH-Urteil und der BKI-Veröffentlichung geben auch die Beiträge der GHV im Deutschen Ingenieurblatt (Nr. 3-2014 und 12-2014) entsprechende Hinweise.

Bereits veröffentlichte Beiträge:

  1. Objekte (im Brief Februar 2017)
  2. Grundleistungen und Besondere Leistungen (§3)
  3. anrechenbare Kosten (§ 4)
  4. Honorarzone (§ 5)
  5. Honorarsatz (§ 7)
  6. Umbauzuschlag (§ 7 und §36(1) HOAI 2013 für die Objektplanung Gebäude)
  7. Instandsetzungszuschlag (§ 12)

Weitere Beiträge zur HOAI 2013 sind wie folgt vorgesehen:

  1. Nebenkosten (§ 14)
  2. Honorarschlussrechnung (§ 15)

 

Dipl.- Ing. Architekt VFA Manfred v. Bentheim, 65232 Taunusstein
ö.b.u.v. Sachverständiger für die Honorare und Leistungen der Architekten und Ingenieure
www.HOAI-Beratung.de

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