Dipl.- Ing. Architekt VFA Manfred von Bentheim ö.b.u.v. Sachverständiger

Teil 5 – Honorarsatz (§ 7 HOAI 2013) – Serie von Manfred v. Bentheim

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10 Honorarparameter nach der HOAI 2013
Hinweise zur Vertragsgestaltung, zur Leistungserbringung und zur Honorarschlussrechnung

Einführung
Unser geschätzter Kollege Dipl.- Ing. Archi­tekt Manfred v. Bentheim ist öffentlich be­stellter und vereidigter Sachverständiger für die Honorare und Leistungen der Archi­tekten und Ingenieure und Sachverstän­di­ge für Urheberfragen an Werken der Bau­kunst.


Was sagt die Vorschrift?
Die in den Leistungsbildern festgelegten Mindestsätze können in Ausnahmefällen unterschritten, die Höchstsätze (z.B. bei außergewöhnlichen oder ungewöhnlich lange dauernden Grundleistungen) überschritten werden.
Sofern nicht bei Auftragserteilung etwas anderes schriftlich vereinbart worden ist, wird unwiderleglich vermutet, dass die jeweiligen Mindestsätze vereinbart sind.

Was bedeutet die Vorschrift in der Anwendung?
Der Honorarsatz ist eines der wenigen Honorarparameter, die verhandelbar sind. Die Schriftform (beide Unterschriften auf einem Dokument ! > § 126 BGB) ist bei einer Vereinbarung, die über dem Mindestsatz liegen soll, zwingend erforderlich; fehlt es daran, kann ein Honorar nur zu den Mindestsätzen berechnet werden.

Praxistipps des Sachverständigen
Für die erste Fassung der HOAI (1977) hatten die Gutachter (Prof. Pfarr) vorgeschlagen, dass der Mittelsatz die Regel ist; dann hätte der Auftragnehmer nach unten und nach oben verhandeln können. Die politischen Gremien (vermutlich mit Blick auf die staatlichen und kommunalen Auftraggeber) änderten die Verordnung kurz vor Inkrafttreten dahingehend, dass der Mindestsatz die Regel sein soll.

Argumente für eine Erhöhung des Honorarsatzes über den Mindestsatz hinaus, könnten (immer projektbezogen) beispielsweise lauten:

  • Unzugänglichkeit der Gebäude
  • Behinderung des Planungskonzeptes durch alte Rechtslage
  • Behinderung des Planungskonzeptes durch bauliche Gegebenheiten
  • Einbindung komplizierter alter Konstruktionen in das neue Konzept
  • Rückbau der Altbausubstanz in Richtung Ursprungskonstruktion
  • Angleichen der Materialien an bauliche Vorgaben
  • Übernahme alter Fertigungstechniken
  • Vielfalt der Schnittstellen alt und neu
  • Ungleichgewichtigkeit: Bausumme zu Planungs-/Bauleitungsaufwand
  • aufwendige Einweisung der ausführenden Firmen
  • erhöhte Baustellenpräsenz erforderlich
  • Behinderung des Bauablaufs bei laufender Nutzung des Gebäudes
  • Behinderung des Bauablaufs durch bauliche Gegebenheiten
  • zusätzliche Koordination: Nutzer und ausführende Firmen
  • erhöhtes Risiko und erhöhte Haftung

Die Anzahl der zutreffenden Erschwernisse kann ein Faktor zur Erhöhung des Honorarsatzes darstellen.

Von einer Vereinbarung der Unterschreitung der Mindestsätze oder der Überschreitung der Höchstsätze wird aus sachverständiger Sicht abgeraten, da die Gerichte vermeintliche Ausnahmefälle höchst selten als gegeben anerkennen.

Bereits veröffentlichte Beiträge:

  1. Objekte (im Brief Februar 2017)
  2. Grundleistungen und Besondere Leistungen (§3)
  3. anrechenbare Kosten (§ 4)
  4. Honorarzone (§ 5)
  5. Honorarsatz (§ 7)

Weitere Beiträge zur HOAI 2013 sind wie folgt vorgesehen:

  1. Umbauzuschlag (§ 36)
  2. Instandsetzungszuschlag (§ 12)
  3. mitzuverarbeitende Bausubstanz (§ 4 Abs. 3)
  4. Nebenkosten (§ 14)
  5. Honorarschlussrechnung (§ 15)

 

Dipl.- Ing. Architekt VFA Manfred v. Bentheim, 65232 Taunusstein
ö.b.u.v. Sachverständiger für die Honorare und Leistungen der Architekten und Ingenieure
www.HOAI-Beratung.de

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