Dipl.- Ing. Architekt VFA Manfred von Bentheim ö.b.u.v. Sachverständiger

Teil 4: Honorarzone (§ 35 und Anhang 10.2 HOAI 2013) – Serie von Manfred v. Bentheim

Redaktion HOAI, Serie 0 Comments

10 Honorarparameter nach der HOAI 2013
Hinweise zur Vertragsgestaltung, zur Leistungserbringung und zur Honorarschlussrechnung

Einführung
Unser geschätzter Kollege Dipl.- Ing. Archi­tekt Manfred v. Bentheim ist öffentlich be­stellter und vereidigter Sachverständiger für die Honorare und Leistungen der Archi­tekten und Ingenieure und Sachverstän­di­ge für Urheberfragen an Werken der Bau­kunst.


Was sagt die Vorschrift?
Soweit ein Objekt in der Objektliste nicht oder in mehreren Honorarzonen aufgeführt ist, ist die Zuordnung in die richtige Honorarzone nach der sog. „Punktebewertung“ vorzunehmen.
Dabei sind die Anforderungen an die Planung bei den folgenden Kriterien (für die Objektplanung Gebäude) zu betrachten:

1. Anforderungen an die Einbindung in die Umgebung,
2. Anzahl der Funktionsbereiche,
3. gestalterische Anforderungen,
4. konstruktive Anforderungen,
5. technische Ausrüstung,
6. Ausbau.

Die entsprechenden Ausführungen finden sich bei den einzelnen Leistungsbildern.

Was bedeutet die Vorschrift in der Anwendung?
Die Zuordnung eines Objektes in die zutreffende Honorarzone ist nicht verhandelbar, sondern ergibt sich für alle Leistungsbilder aus der HOAI selbst.
Die Honorarzone ist auch völlig unabhängig vom Honorarsatz zu betrachten; die Tatsache, dass ein Objekt eine Punktezahl am unteren Ende des Rahmens nach § 35 (4) HOAI ausweist, bedeutet nicht, dass demnach der Honorarsatz als Mindestsatz zu vereinbaren ist und.
Die Punktebewertung ist auf den konkreten Einzelfall bezogen und nach objektiven Massstäben vorzunehmen: besonders bei den „gestalterischen Anforderungen“ werden gerne höchste Punktzahlen vergeben … 😉

Praxistipps des Sachverständigen
Es kann nur dringend empfohlen werden, die zutreffende Honorarzone immer nach der Punkte-Bewertung zu ermitteln und die einzelnen Begründungen bei den Anforderungen an die Planung jeder Honorarrechnung beizufügen. Dies macht deshalb Sinn, da im Vertrag bzw. der Honorarvereinbarung oft eine nicht zutreffende Honorarzone vereinbart wird.
So werden auch mögliche Veränderungen der Anforderungen an die Planung, die erst während der Planung erkennbar werden, frühzeitig (und nicht erst in der Honorarschlussrechnung) dokumentiert.

Im Gegensatz zu früheren HOAI-Versionen hiess es (in § 10a bzw. 11 Abs.2) „Sind für ein Gebäude Bewertungsmerkmale aus mehreren Honorarzonen anwendbar …und bestehen deswegen Zweifel, welcher Honorarzone das Gebäude zugerechnet werden kann …“ unterlag die Punkteberwertung den zitierten Bedingungen; mit der HOAI 2013 ist die Punktebewertung die Regel, die Objektliste ist lediglich „ …zu berücksichtigen“.

Beim Bauen im Bestand gibt es keine „Einbindung in die Umgebung“: das Bewertungsmerkmal lautet gemäss der Rechtsprechung des OLG Düsseldorf (Urteil vom 20.06.1995, Az.: 21 U 98/94): „1. Einbindung in den Bestand“.

Weitere Beiträge zur HOAI 2013 sind wie folgt vorgesehen:

5. Honorarsatz (§ 7)
6. Umbauzuschlag (§ 36)
7. Instandsetzungszuschlag (§ 12)
8. mitzuverarbeitende Bausubstanz (§ 4 Abs. 3)
9. Nebenkosten (§ 14)
10. Honorarschlussrechnung (§ 15)

 

Dipl.- Ing. Architekt VFA Manfred v. Bentheim, 65232 Taunusstein
ö.b.u.v. Sachverständiger für die Honorare und Leistungen der Architekten und Ingenieure
www.HOAI-Beratung.de

Kommentar verfassen