Dipl.- Ing. Architekt VFA Manfred von Bentheim ö.b.u.v. Sachverständiger

Teil 3: anrechenbare Kosten (§ 4 HOAI 2013) – Serie von Manfred v. Bentheim

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10 Honorarparameter nach der HOAI 2013
Hinweise zur Vertragsgestaltung, zur Leistungserbringung und zur Honorarschlussrechnung

Einführung
Unser geschätzter Kollege Dipl.- Ing. Archi­tekt Manfred v. Bentheim ist öffentlich be­stellter und vereidigter Sachverständiger für die Honorare und Leistungen der Archi­tekten und Ingenieure und Sachverstän­di­ge für Urheberfragen an Werken der Bau­kunst.


Teil 3:  anrechenbare Kosten (§ 4 HOAI 2013)

Was sagt die Vorschrift?

Die HOAI unterscheidet in allen Leistungsbildern zwischen anrechenbare Kosten, die

  • vollständig anrechenbar sind und
  • teilweise anrechenbar sind
  • bedingt anrechenbar sind und
  • nicht anrechenbar sind.

Die entsprechenden Ausführungen finden sich bei den einzelnen Leistungsbildern; z.B. in § 33 für das Leistungsbild Objektplanung Gebäude.

Was bedeutet die Vorschrift in der Anwendung?

Die anrechenbaren Kosten sind nach der Struktur der DIN 276-1:2008-12 ohne den Umsatzsteueranteil (also: netto) darzustellen. Hierzu gehören auch die anrechenbaren Kosten aus ortsüblichen Preisen, wenn der Auftraggeber selbst Lieferungen oder Leistungen übernimmt, von bauausführenden Unternehmen oder von Lieferanten sonst nicht übliche Vergünstigungen erhält, Lieferungen oder Leistungen in Gegenrechnung ausführt oder vorhandene oder vorbeschaffte Baustoffe oder Bauteile einbauen lässt.

Auch die Werte der mitzuverarbeitenden Bausubstanz sind (nach Abschnitt 3.3.6 der DIN 276-1:2008-12) bei den jeweiligen Kostengruppen auszuweisen.

Praxistipps des Sachverständigen

Die anrechenbaren Kosten werden aus der Kostenberechnung (i.d.R. nach Erstellung der Entwurfsplanung) abgeleitet; soweit eine Kostenberechnung nicht erbracht wurde/werden musste, ist sie allein zur Honorarermittlung (ohne Vergütung) zu erstellen.

Soweit sich während der Durchführung der Massnahme auf Veranlassung des Auftraggebers oder eines Dritten der Leistungsumfang ändert und damit auch die anrechenbaren Kosten, ist nach Absatz 1 des § 10 HOAI 2013

… die Honorarberechnungsgrundlage für die Grundleistungen, die infolge des veränderten Leistungsumfangs zu erbringen sind, durch schriftliche Vereinbarung anzupassen.

Diese Vereinbarung bezieht sich auf diejenigen Grundleistungen, die aufgrund des Änderungswunsches wiederholt zu erbringen sind und deren Honoraranspruch auf der Basis der veränderten anrechenbaren Kosten ermittelt wird.

Und (nicht zuletzt): Wichtige Angaben bei der Kostenberechnung sind das Datum der Erstellung und die Angabe ob Brutto- oder (besser) Netto-Kosten aufgeführt sind.

Die passende Bibelstelle zum Thema Kostenberechnung:
„Wenn einer von Euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.“(Lukas 14, 28-29)

Übersicht dieser Serie als Überblick der Beiträge zur HOAI 2013:

  1. Objekte (im Brief Februar 2017)
  2. Grundleistungen und Besondere Leistungen (§3)
  3. anrechenbare Kosten (§ 4)
  4. Honorarzone (§ 5)
  5. Honorarsatz (§ 7)
  6. Umbauzuschlag (§ 36)
  7. Instandsetzungszuschlag (§ 12)
  8. mitzuverarbeitende Bausubstanz (§ 4 Abs. 3)
  9. Nebenkosten (§ 14)
  10. Honorarschlussrechnung (§ 15)

 

Dipl.- Ing. Architekt VfA Manfred v. Bentheim, 65232 Taunusstein
ö.b.u.v. Sachverständiger für die Honorare und Leistungen der Architekten und Ingenieure
www.HOAI-Beratung.de

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