Dipl.- Ing. Architekt VFA Manfred von Bentheim ö.b.u.v. Sachverständiger

Teil 10: Honorarschlussrechnung (§ 15 HOAI 2013 „Zahlungen“) – Serie

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10 Honorarparameter nach der HOAI 2013
Hinweise zur Vertragsgestaltung, zur Leistungserbringung und zur Honorarschlussrechnung

Einführung
Unser geschätzter Kollege Dipl.- Ing. Archi­tekt Manfred v. Bentheim ist öffentlich be­stellter und vereidigter Sachverständiger für die Honorare und Leistungen der Archi­tekten und Ingenieure und Sachverstän­di­ge für Urheberfragen an Werken der Bau­kunst.


Was sagt die Vorschrift?
„Das Honorar wird fällig, wenn die Leistung abgenommen und eine prüffähige Honorarschlussrechnung überreicht worden ist, es sei denn, es wurde etwas anderes schriftlich vereinbart.“ (§ 15 Absatz 1 HOAI 2013).

Was bedeutet die Vorschrift in der Anwendung?
Der Planer erhält sein Honorar nur dann wenn a) die Leistung erbracht und (ausdrücklich oder konkludent) abgenommen ist, b) die Honorarschlussrechnung prüfbar ist und c) die Honorarschlussrechnung überreicht worden ist.
Nur wenn diese 3 Bedingungen erfüllt sind, entsteht der Anspruch auf das Honorar überhaupt erst; so kann im Extremfall die Rückzahlung aller Abschläge gefordert werden, wenn der Planer nicht in der Lage ist, eine prüfbare Honorarschlussrechnung zu erstellen und vorzulegen.

Praxistipps des Sachverständigen
zu a): Dass die Leistung erbracht wurde, ist selbstredend, sie muss aber auch (seit der HOAI 2013) vom Auftraggeber abgenommen sein.
zu b): Die Honorarschlussrechnung muss alle Angaben enthalten, damit der Auftraggeber in die Lage versetzt wird, anhand des Verordnungstextes (HOAI 2013) diese zu prüfen. Die Anforderungen an die Prüfbarkeit können geringer sein, wenn der AG „vom Fach“ ist (z.B. öff. AG mit Bauabteilung, gewerbliche Bauträger usw.). Die wichtigsten Angaben sind: Darstellung der vereinbarten und tatsächlich erbrachten (Grund-)Leistungen, Ermittlung der anrechenbaren Kosten, Bezeichnung bzw. Ermittlung der Honorarzone, Nennung des vereinbarten Honorarsatzes und Darstellung der Interpolation anhand der Werte aus der zutreffenden Honorartafel.
Für den Fall, dass das Honorar eingeklagt werden muss, ist die Prüfbarkeit der Honorarschlussrechnung eine Grundvoraussetzung, dass die Klage überhaupt zulässig ist; insoweit sollte jede Rechnung (auch Teilrechnung) stets prüfbar im Sinne der Vorschrift sein. Jede Honorarrechnung muss „gerichtsfest“ sein. Der Auftraggeber muss spätestens innerhalb von 2 Monaten nach Zugang der Honorarschlussrechnung die Prüfbarkeit derselben rügen; andernfalls kann er dies (im Honorarprozess) nicht mehr geltend machen.
zu c): Die Honorarschlussrechnung muss in den Einwirkungsbereich des AG (§ 130 BGB) gelangen und der Zugang muss ggf. bewiesen werden. Also: Übergabe unter Zeugen oder Zustellung durch einen Gerichtsvollzieher; bei Einschreiben/Rückschein könnte der AG behaupten, er habe nur einen leeren Umschlag erhalten…

Schlusswort
Damit endet die Reihe der Beiträge „10 Honorarparameter nach der HOAI 2013“. Für Kritik, Anregungen und Rückfragen steht der Sachverständige gerne zur Verfügung.
Es versteht sich von selbst, dass eine Gewährleistung für den Inhalt nicht übernommen wird und jegliche Haftung gegenüber dem Verfasser und dem VFA ausgeschlossen ist.

weiterführende Literatur:
Meurer in: BauR 2001, 1659: 10 Anleitungsschritte zur Überprüfung einer Honorarschlussrechnung
v. Bentheim, HOAI-Praxis Bauen im Bestand – Honorarermittlung und prüfbare Schlussrechnung, Beuth Verlag 2016


Bereits veröffentlichte Beiträge:

  1. Objekte (im Brief Februar 2017)
  2. Grundleistungen und Besondere Leistungen (§3)
  3. anrechenbare Kosten (§ 4)
  4. Honorarzone (§ 5)
  5. Honorarsatz (§ 7)
  6. Umbauzuschlag (§ 7 und §36(1) HOAI 2013 für die Objektplanung Gebäude)
  7. Instandsetzungszuschlag (§ 12)
  8. Mitzuverarbeitende Bausubstanz (§ 4)
  9. Teil 9: Nebenkosten (§ 14 HOAI 2013)

 

Dipl.- Ing. Architekt VFA Manfred v. Bentheim, 65232 Taunusstein
ö.b.u.v. Sachverständiger für die Honorare und Leistungen der Architekten und Ingenieure
www.HOAI-Beratung.de

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