Interview Bernd Diegelmann Bereichsleiter Roofing Region Mitte bei der Sika Deutschland GmbH

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Bernd Diegelmann Portrait

Durch mechanische Beschädigungen oder durch Fehlstellen in der Nahtfügung können bei Flachdächern undichte Stellen auftreten. Die Feststellung eines Verantwortlichen führt häufig zu Diskussionen zwischen den Beteiligten und eine genaue Ortung der Leckage ist kosten- und zeitaufwendig. Bernd Diegelmann erklärt, wie Architekten durch eine moderne Dichtigkeitsprüfung Komplikationen dieser Art vorbeugen können.

Flachdächern wird oftmals nachgesagt, dass sie zu Undichtigkeit neigen. Wie häufig treten Komplikationen dieser Art tatsächlich auf?

Vor einigen Jahren hieß es noch: „Das einzig dichte Flachdach ist ein Steildach“. Heute ist das kostensparende Flachdach im Industriebau kaum mehr wegzudenken. Jedes Jahr werden allein in Deutschland circa 60 Millionen Quadratmeter an Flachdächern abgedichtet. Bei 99 Prozent der Objekte verläuft der Bau reibungslos. Dass es bei einem Prozent zu Undichtigkeit kommt, hängt damit zusammen, dass unter anderem die Nahtfügung nicht korrekt erfolgt oder Beschädigungen durch Folgegewerke entstehen. Eine große Problematik liegt meist darin, festzustellen, wer den Schaden verursacht hat. Das kann zu Diskussionen und sogar zu Streit unter den beteiligten Handwerkern und Architekten führen. Mit einem qualifizierten Dachdecker und dem geeigneten Material sind die beschädigten Stellen jedoch problemlos zu überarbeiten.

Welche Auswirkungen hat eine Undichtigkeit für das Gebäude?

Falls ein Defekt auftritt, dauert es häufig lange Zeit, bis eine Undichtigkeit überhaupt bemerkt wird. Das bedeutet unglaublich viel Aufwand für eine kleine undichte Stelle und kann zum Beispiel dazu führen, dass eine ganze Wärmedämmung unter Wasser gesetzt wird. Dadurch muss bei einer Sanierung der ganze Dachaufbau abgeräumt werden. Sind auf dem Flachdach Grünanlagen, eine Photovoltaikanlage oder Terrassen installiert, muss alles demontiert werden, um die Schadensursache feststellen zu können. Zusätzlich treten „Schadensuchkosten“ auf, die um ein Vielfaches höher sind, als die eigentlichen Reparaturkosten.

Was sind die Ursachen?

Ursachen sind überwiegend mechanische Beschädigungen durch Folgegewerke. Ein dichtes Dach in der Bauphase abzuliefern, ist für einen Dachdecker heutzutage eigentlich kein Problem. Aber wenn danach Fensterbauer, Fassadenbauer oder Dachbegrüner ohne Schutzmaßnahmen auf der fertiggestellten Dachabdichtung arbeiten, ist ein Verständnis für das sensible Gewerk nicht unbedingt vorausgesetzt und kann zu den vorher genannten Beschädigungen führen.

Welche Möglichkeiten gibt es, dagegen vorzugehen?

Vorab sollte entschieden werden, welche Konstruktion die Richtige ist und mit welchen Fachbetrieben gearbeitet werden soll. In heutigen Vergabeprozessen, die häufig über Generalunternehmer laufen, wird leider vorwiegend über den Preis entschieden. Zertifizierte Fachbetriebe und qualitätsbewusste Produzenten kosten zwar mehr, sind aber dementsprechend auch vertrauter mit der Materie und haben mehr Erfahrung und Sachkenntnis.

Sinnvoll für einen Architekten ist, nach jedem Gewerk eine definierte Zwischenabnahme durchzuführen. Das bietet die Möglichkeit den Nachfolgegewerken zu bestätigen, dass bis zu diesem Zeitpunkt keine Schäden vorhanden waren.

Messung durch den Techniker

Eine Möglichkeit bietet hier das Sika Roof Control System. Während der Bauphase des Daches wird ein elektrisch leitfähiges Glasvlies unterhalb der Abdichtungsbahn verlegt. Dieses Vlies dient auch gleichzeitig als Trenn- oder Brandschutzlage, falls erforderlich. Um Messungen durchführen zu können, werden zwei Kontaktplatten pro 1500 m2 eingebaut. Sind die Dachabdichtungsmaßnahmen abgeschlossen, findet die Inbetriebnahme des Systems und die finale Dichtigkeitsprüfung statt.

aufbau-bestandteile

Ein YouTube-Video zeigt, wie das System genau funktioniert.

Was unterscheidet Sika Roof Control System von anderen Methoden?

Es gibt verschiedene Systeme. Der Hauptvorteil des Sika Roof Control Systems ist, dass das Glasvlies vom Dachdecker direkt installiert wird. Im gesamten Bauprozess kann zu jeder Zeit ein Suchvorgang durchgeführt und somit die Stelle einer Undichtigkeit lokalisiert werden. Das bietet auch für den Bauherrn einen großen Vorteil. Er muss nicht die ganze Begrünung abnehmen, um dann nach der Undichtigkeit zu suchen, sondern kann diese punktgenau ermitteln. Da bei den meisten Dachaufbauten aus bautechnischen Gründen zwischen Dämmung und Dachabdichtung ohnehin ein Glasvlies eingesetzt werden muss, bedeutet der Einsatz des leitfähigen Glasvlieses somit nur einen kleinen finanziellen Mehraufwand für viel mehr Sicherheit.

Vielen Dank für das Gespräch.

Bernd Diegelmann
Bereichsleiter Roofing Region Mitte
Sika Deutschland GmbH
Petersberger Straße 91
36037 Fulda
+49 661 65890
diegelmann.bernd@de.sika.com

Das Interview führte Carla Stadler (querplan GmbH)

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