Interview mit Frank Diegmüller F.C. Nüdling Betonelemente GmbH + Co. KG

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ulrich-langen-aiaAirclean – Saubere Luft durch den richtigen Bodenbelag

Laut EU-Richtlinie müssen Grenzwerte zur Luftschadstoffbelastung von Kommunen und Städten eingehalten werden, um die Luftqualität in den EU-Ländern vergleichbar zu machen. Eine Maßnahme zur Reduzierung des Schadstoffs Stickstoffdioxid (NO2) ist der Einsatz von Airclean. Frank Diegmüller erklärt, wie Airclean funktioniert und warum Städte und Kommune handeln müssen.


Worum handelt es sich bei Airclean?

Airclean ist ein eingetragenes Wahrzeichen. Es ist die Bezeichnung für einen Pflasterstein, der Luftschadstoffe beseitigt, also die Luft reinigt. Hier geht es ausschließlich um die Stickoxide, das heißt Stickstoffdioxid (NO2), das für den Menschen gesundheitsschädlich ist. Der Verursacher für derartige Luftverschmutzung ist der Straßenverkehr. Es gibt in der 22. Bundesemissionsschutzverordnung eine Vorschrift, dass entsprechende Grenzwerte nicht überschritten werden dürfen. Derzeit sind das 40 µg NO2 /m³ Luft. In Deutschland gibt es ca. 300 Messstationen, die diese Werte überprüfen. In vielen Orten in Deutschland sind deutliche Überschreitungen gemeldet worden.

Die Reinigung der Luft erfolgt durch einen Katalysator im Airclean-Pflasterstein. Der Katalysator ist ein Titandioxid, der mit Licht eine Reaktion beschleunigt, die ohnehin in der Natur vorkommt. Die Umwandlung von NO2 in unschädliches Nitrat, ein Salz das mit Regenwasser weggewaschen wird. Der Prozess findet zwar in der Natur statt, doch die Abgase versuchen mehr Verschmutzung, als die Natur abbauen kann. Mit dem Aircleanplaster können die Schadstoffe direkt am Ort der Entstehung abgebaut werden und sogar noch schneller als die Natur selbst.

Das Titandioxid ist ein Mineral, das früher eingesetzt wurde, um Fassaden aufzuhellen. Es ist für den Menschen völlig unbedenklich. Irgendwann bemerkte man die photokatalytischen Eigenschaften. Das bedeutet, dass es mit Licht reagiert und Stickoxide abbaut. 2005 sind wir auf diese Technologie gestoßen und haben diese dann in verschiedenen Zusammensetzungen ausprobiert. Das Gutachten des Frauenhoferinstituts bestätigt, dass wir die optimale Wirkungsweise erarbeitet haben. Wir konnten bei einem Versuch unter realen Bedingungen nachweisen, dass Airclean im Jahr durchschnittlich 25% der Luftschadstoffe abbaut.



Was sind die Anwendungsgebiete des aktiven Betonpflasters?

Der Betonpflasterstein kann überall dort verlegt werden, wo hohes Verkehrsaufkommen die Luft belastet. Die Straßen sind meist asphaltiert, aber Gehwege oder öffentliche Plätze in unmittelbarere Nähe können damit belegt werden.

Man kann das Titandioxid auch in den Betonstein einbinden, mit dem Fassaden eingekleidet werden. Es gibt zum Beispiel Fassadenfarben, die diese Wirkung erzielen. Auch Dachziegel werden mit Titandioxid hergestellt. Wir bieten außerdem bundesweit Lärmschutzwände an, die mit Titandioxid produziert werden und an Autobahnen Schadstoffe reduzieren können. Aktuell forschen wir an einem Asphaltbelag, bei dem Airclean als Granulat eingestreut werden kann. Möglicherweise kann man bald eine ganze Stadt damit bestücken und große Mengen von NO2 abbauen.



Kann Airclean bedenkenlos eingesetzt werden?

10 Jahre Erfahrung haben erwiesen, dass die Eigenschaften des Betonsteins durch Witterung oder Abnutzung nicht beeinflusst oder verändert werden. Solange der Zuschlagsstoff in der Zementmatrix des Betonsteins eingebunden ist, ist seine Aktivität gewährleistet. Durch Benutzung und damit verbundenem Abrieb werden sogar immer wieder neue Titandioxidpartikel freigesetzt, die dann mit Licht in Verbindung kommen. Das Titandioxid ist ein Katalysator, der sich nicht verbraucht und die Wirkung bleibt über die gesamte Lebensdauer unverändert.

Auch gestalterisch sind Architekten und Planer nicht eingeschränkt. Sie können das Titandioxid überall einsetzen, wo Beton in Form gebracht wird. Alle Formen, Farben und Formate eines herkömmlichen Betonsteins können auch mit einem Aircleanpflaster verwirklicht werden.



Seit wann wird Airclean verbaut? Gibt es schon Referenzobjekte?

Seit 2005 beschäftigen wir uns mit dem Thema und das erste Projekt haben wir 2006 in Fulda verwirklicht, eine Straße inklusive Bürgersteig. Langzeittests haben gezeigt, dass Airclean noch wie am ersten Tag funktioniert. Mittlerweile gibt es Referenzen in ganz Deutschland und wir haben unser Knowhow ins benachbarte Ausland getragen. Unsere Partner in der Schweiz, in Belgien, in Spanien und in Österreich stellen mit unserer Technologie die gleichen Steine her.

Fulda war die erste Stadt, die das Aircleanpflaster als Maßnahme im Luftreinhalteplan genehmigt bekommen hat. Kommunen, die bestimmte Grenzwerte an Luftverschmutzung überschreiten, müssen laut EU-Gesetz einen sog. Luftreinhalteplan einreichen, der von der EU bewilligt werden muss. Maßnahmen wie Verkehrsumleitungen, Straßensperren, grüne Ampelphasen oder Umweltzonen haben bisher kaum Wirkung erzielt, weder bei CO2- noch bei NO2-Emissionen. Einige Städte und Kommunen bekamen bereits Bußgeldbescheide, da die Grenzwerte überschritten und nur wenig Wirksames unternommen wurde. Airclean dagegen reduziert 25% der NO2-Belastung jährlich. Natürlich ist es auch eine Kostenfrage. Doch im Verhältnis zu den Kosten eines Straßenzugs, ist es nur ein kleiner Bruchteil und absolut bezahlbar.

Seit Legitimierung des Luftqualitätsplans haben wir in Fulda mehrere Baumaßnahmen durchgeführt, auch an der Hauptverkehrsader. 2012 wurde die Petersberger Straße, die von ca. 30.000 Fahrzeugen pro Tag befahren wird, mit ungefähr 6000qm Aircleanpflaster an den Gehwegen bestückt.


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Auch andere Städte setzen vermehrt Airclean ein. In Erfurt am Gothaer Platz wurden ca. 4000qm mit Aircleanplaster verlegt. Und die Stadt Kiel schreibt für Ausbesserungsmaßnahmen Pflaster mit photokatalytischer Wirkung vor.


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Gibt es einen Ansprechpartner für Architekten und Stadtplaner?

Ansprechpartner für das Thema Airclean ist Herr Plönes, der auch unsere Forschungs- und Entwicklungsarbeit betreut.

 

Andreas Plönes
Tel. +49 (0)6621 8387-216
andreas.ploenes@nuedling.de



Vielen Dank für das Gespräch.


Frank Diegmüller
Geschäftsführer
F.C. Nüdling Betonelemente GmbH + Co. KG
Ruprechtstr. 24
36037 Fulda
+49 (0)661 8387-238
frank.diegmueller@nuedling.de
www.nuedling.de


Das Interview führte Carla Stadler (querplan GmbH)


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