Immer ein Fenster voraus

Carla Stadler Interview kommentieren

Interview mit Jürgen Münkel,
Geschäftsführer bei Schreinerei Münkel GmbH

Die Schreinerei Münkel wagte etwas Revolutionäres und veränderte damit den Markt der Holzfensterbauer: 2006 stellten Nicole und Jürgen Münkel ihren Betrieb um und investierten in ein neuartiges Einzelteils-Fertigungssystem. Jürgen Münkel spricht über seinen fortwährenden Anspruch, den architektonischen Trends zu folgen, der Flexibilität und rasanten Fertigungszeit des Betriebs durch das neue Konzept und macht anderen Unternehmern Mut, etwas zu riskieren.

Was bewegte Sie zu der mutigen Investition?

Meine persönliche Motivation ist es, immer ganz vorne am Markt dabei zu sein. Das bedeutet, den architektonischen Trends zu folgen und dementsprechend die Fenster fertigen zu können. Das ist meine Leidenschaft. Um uns endgültig von den Mitbewerbern abzusetzen, haben wir 2006 diese mutige Investition gewagt. Der Markt hatte sich verändert. Es wurden vermehrt Kunststofffenster gekauft und die Anteile an herkömmlichen Holzfenstern gingen zurück. Wir mussten etwas tun. Und die Idee, eine Einzelteils-Fertigung aufzuziehen, hat uns begeistert.

Zuvor haben wir Holzfenster als Rahmen gefertigt. Diese Fenster hatten jedoch Schwachstellen. Es bestand die Gefahr, dass die Ecken im  Laufe der Jahre kaputt gingen, da sie nicht mit Farbe versiegelt wurden. Kamen die Fenster mit Wasser in Berührung, gab es unschöne Stellen.

schreinerei_muenkel_fenster_even2Die Idee der neuartigen Einzelteilsfertigung hat uns derartig begeistert, dass wir von heute auf morgen 1 Million Euro investiert haben, um das Fertigungssystem in unseren Betrieb zu integrieren. Eine Einzelteilsfertigung bedeutet, dass jedes Holz als Einzelteil durch die Maschine läuft. Es wird rundum lackiert und auch die Beschläge werden in jedes einzelne Teil hinein geschraubt. Damit gelangt Farbe an jede einzelne Holzfaser. Mit weißen Samthandschuhen werden die Einzelteile dann zum Schluss an den Ecken zusammengesetzt. Die Umstellung unserer Fertigung brachte viele weitere Innovationen mit sich, was Holz-Aluminium-Fenster betrifft. Denn dadurch konnten wir günstige Holz-Alu-Fenster auf den Markt bringen. Und mittlerweile haben wir 38 verschiedene Systeme, für jegliche architektonische Anforderung. Wir fertigen nur noch mit vier Angestellten im Maschinenraum. Insgesamt beschäftigen wir 20 Mitarbeiter. Durch den aktuellen Facharbeitermangel kommt uns das unheimlich zugute. Wir wurden für den Mut, den wir damals bewiesen haben, auch belohnt.


Wie genau wurde das Fertigungssystem der Schreinerei in den letzten Jahren 
umgestellt?

Die Vorbereitungen dauerten fast ein ganzes Jahr. Ein Wunder, dass wir überhaupt so lange durchgehalten haben. Aber die Firma WEINIG unterstützte uns ungemein bei dem Pilotprojekt. Wir hatten ein Jahr lang einen Anwendungstechniker im Haus, der uns bei der Umstellung begleitet hat. Und wir waren so fasziniert von der Idee, dass wir in das Projekt einfach reingesprungen sind.

WEINIG lieferte uns also das Kernstück, die Bearbeitungsmaschine für die einzelnen Holzstücke. Die Geräte von WEINIG sind bekannt als der „Porsche“ unter den Fensterbaumaschinen. Außerdem wurden auch die Schleifmaschinen erneuert. Dort, wo früher Menschenhände gefragt waren, arbeiten heute Maschinen. Außerdem haben wir eine Lackieranlage, die speziell für diese einzelnen Hölzer konstruiert wurde. Auf dem Anschlagtisch wird abschließend die Scheibe gelegt und die Hölzer drum herum angebracht. Eigentlich haben wir eine komplett neue Werkstatt.

schreinerei_muenkel_anschlagtisch

Das war damals der erste Schritt, aber die Entwicklung geht immer weiter. Durch die Einzelteilsfertigung ergeben sich immer mehr neue Möglichkeiten, an denen man anknüpfen kann. Vor vier Jahren haben wir dann wieder investiert. Es kam eine neue Maschine von WEINIG auf den Markt, die noch besser ist. Wir haben also nochmal 1,2 Millionen in die Hand genommen, um auf dem aktuellsten Stand zu bleiben und immer einen Schritt voraus zu sein.

Wir haben natürlich auch die ein oder andere schlaflose Nacht. Im Nachhinein hätten wir uns das bestimmt zwei Mal überlegt, hätten wir gewusst, was finanziell auf uns zukommt. Aber wir waren zu begeistert von der Idee, etwas Neues zu machen. Das ist eben das Unternehmertum. Man muss etwas wagen und unternehmen.

 

Welche Vorteile bietet das Holz-Aluminium-Fenster gegenüber herkömmlichen Holz-Fenstern? Wo geht der Trend hin?

Die Marktanteile von Holzfenstern sind in den letzten Jahren enorm geschrumpft. Man muss wissen, dass das Holzfenster einen hohen Pflegeanspruch hat, aber eben auch optisch ansprechend ist. Wir haben 2006 Holz-Alu-Fenster mit in unser Programm aufgenommen und sehen, dass auch der Trend dorthin geht. Durch die Einzelteilsfertigung haben wir die Möglichkeit, Holz-Alu-Fenster preiswert herzustellen. In unserer Schreinerei liegt der Anteil an Holz-Alu-Fenstern mittlerweile bei 80 Prozent. Gerade bei modernen Neubauten mit Schiebeelementen werden sie eingesetzt. Denn sie halten durchschnittlich 30 Jahre und es ist keine zusätzliche Pflege nötig. Nur in denkmalgeschützten Häusern sind herkömmliche Holzfenster nicht wegzudenken.

 

Welche Vorteile haben die Architekten durch die Umstellung?

Durch unser neues Fertigungssystem können wir eine unglaubliche Flexibilität bieten. Gerade in Bezug auf bestimmte Profile können wir eigentlich jeden Architektenwunsch erfüllen. Ob das Fenster sehr schmal, tief oder schräg sein soll, es ist alles machbar. Unser eigener Anspruch ist es auch, schwierige Fälle oder Spezialwünsche umzusetzen.

Bei unserem letzten Projekt zum Beispiel, der Neubau eines sechsgeschossigen Hauses mit 60 Wohnungen, waren die Schiebetüren fünf Meter breit und drei Meter hoch. Und das Objekt war komplett eingerüstet. Durch die Einzelteilsfertigung war der Einbau der Teile kein Problem. Wir haben die neuen Einzelteile vor Ort gekoppelt, zusammengeschraubt und verglast. Früher wäre das nicht möglich gewesen.

Ein weiteres Projekt ist die Sanierung des Hauses eines befreundeten Architekten. In diesem Haus befinden sich elf oder zwölf Fenster. Davon haben wir sieben verschiedene Systeme eingebaut.

Ein zweiter großer Vorteil ist die Fertigungszeit. Unser Auslieferungssatz beträgt fertigungstechnisch eine Woche. Und der Tagessatz beläuft sich auf 25-30 Fenster. Wenn wir beispielsweise montags 15-20 Holz-Alu-Fenster in die Fertigung geben, sind diese am Freitag bereit zu Auslieferung.

Unsere Fenster unterscheiden sich außerdem von herkömmlichen Fenstern durch den besonderen Rundumschutz von jedem einzelnen Holz. Jedes Holz ist immer sechsseitig lackiert. Dadurch sollten vor allem die Holzfenster langlebiger sein und der Wartungsaufwand reduziert werden. Und seit kurzem sind wir auch qualifiziert Fenster der Widerstandsklasse RC3 zu fertigen. Das ist ein „hoher“ Einbruchsschutz.

 

Gibt es Firmen, die Ihnen nachgeeifert haben?

Mittlerweile gibt es ein paar Nachzügler, aber kaum ein Betrieb hat den Mut, diese Investition zu tätigen. Unsere Gesamtinvestition beläuft sich auf fast 2 Millionen Euro. Und wir sind ein kleines Unternehmen.

Auch unter denen, die es wagen, gibt es kaum Konkurrenz. Wir fertigen am preiswertesten und unglaublich flexibel. Als wir damals anfingen, gab es eine Sorte Holzfenster. Mittlerweile bieten wir 38 verschiedene Systeme. Wir haben jahrelange Erfahrung mit dem neuen Fertigungssystem, das sehr komplex ist. Unsere Maschinen sind auf dem aktuellsten Stand, werden online gesteuert und laufen komplett eigenständig.

Am besten lässt sich das anhand von Beispielen erklären. Wir hatten kürzlich ein Projekt in Fulda. Da gab es ein sehr kompliziertes Fenster, das ich ohne die Einzelteil-Fertigung nicht hätte bauen können. Auch preislich haben wir einiges gewagt. Wir haben ein neuartiges Kastenfenster mit einem automatischen Klima-Schrank eingebaut. Viele haben nicht geglaubt, dass wir das schaffen. Aber unsere Kunden waren letztlich sehr zufrieden.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

  

Jürgen Münkel
Schreinerei Münkel GmbH
Im Leibolzgraben 9–11
36132 Eiterfeld
+49 66 72 92 05-0
info@schreinerei-muenkel.de

 

Das Interview führte Carla Stadler (querplan GmbH)

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