Bauliche und planerische Herausforderungen bei zunehmend multi-ethnischen Gesellschaften.

Bernd Schenk Aktuelles, VfA Hessen kommentieren

bschenkAuch die VfA-Landesgruppe Hessen beschäftigt sich intensiv mit dem „Thema Asylanten“ und diskutiert auf allen Ebenen die Ziele und die Mittel diese zu erreichen.

 

Hier ein paar Gedanken zum Thema:
Bauliche und planerische Herausforderungen bei zunehmend multi-ethnischen Gesellschaften.  
Wer hat angesichts der täglich weiter wachsenden Zahlen von Asylsuchenden nicht das Gefühl hier Zeuge einer wahrhaft historischen Entwicklung zu sein. Diese war zwar absehbar, aber ihre Dynamik, Dimension und auch ihre komplexen Konsequenzen hat sich bisher offensichtlich niemand so richtig klar gemacht.

 

Erst müssen restlos überforderte Kommunen buchstäblich um Hilfe rufen und frisch sanierte Wohnheime abbrennen, bevor auch von den politisch Mächtigen das Selbstverständliche formuliert wird: „Wir müssen und werden helfen!“ Dies als klare Gegenposition zu populistischen „Dunkeldeutschen“ mit verzerrter Realitätswahrnehmung.

 

Zu schwach sind bisher die Stimmen, welche die Zuwanderung von hunderttausenden von Arbeitswilligen pro Jahr als Chance sehen unserer absehbar gentrifizierten Gesellschaft neue Impulse zu geben. Ganze Landstriche in den östlichen Bundesländern leeren sich gerade.

 

Nun haben jedoch die Kommunen und Gemeinden aus finanz-opportunistischen Überlegungen heraus in den letzten Jahrzehnten ihre Bestände an eigenen Mietwohnungen drastisch abgebaut, der soziale Wohnungsbau liegt brach. Bundesweit wurden hunderttausende günstige Sozialwohnungen an internationale Heuschreckenfonds verkauft. Die öffentliche Hand kann somit fast nicht mehr steuernd und verantwortlich auf wohnungspolitische Anforderungen reagieren. Und was ist die Unterbringung von ca. 800.000 von Zuzüglern in diesem Jahr anderes?

 

Bisher wird das Feld als hilflose Interimslösung den Herstellern von gestapelten „Verwahrboxen“ überlassen, mit den bekannten ästhetischen Problemen und absehbaren sozialen Konsequenzen.

 

Es geht nun eben nicht nur um die beschleunigte Errichtung von Asylantenheimen, das wäre eine mehrfach falsche Antwort und wieder nur zu kurz gedacht. Es geht hier um nicht weniger als die Neuauflage des sozialen Wohnungsbaues mit neuzeitlichen Konzepten und Mitteln.

  • Energieeffizient, nachhaltig und wirtschaftlich.
  • städtebaulich integriert in gewachsene Strukturen.
  • im Rahmen von Verdichtungsprogrammen auch als Aufstockungslösung auf vorh. Bauten.

Vielleicht auch privat finanziert, warum nicht? Sozialer Wohnungsbau 2.0. eben

 

Als Bauweise bieten sich vorgefertigte und modulare Systeme mit nachwachsenden, heimischen und wohngesunden Rohstoffen an, hier gibt es genügend markteingeführte Systeme. Keine Baracken, sondern ästhetisch und konstruktiv hochwertige Architektur.

 

Auf Verbändebene könnte hier z.B. die Zusammenarbeit von Architektenkammern und –verbänden mit Verbänden der Holzindustrie helfen modulare Standards und Raumkonzepte zu entwickeln.

 

Auch die Architektenschaft ist gefordert sich hier mit neuen Konzepten und frischen Ideen einzubringen. An dieser Stelle sei auch auf die sehr engagierte Stellungnahme der Architektenkammer Hessen verwiesen.

 

Auszug aus dem Positionspapier der Architektenkammer Hessen:

  • Zentrale Ausarbeitung eines Typenentwurfs in Holzmodulbauweise
  • Gestalterisch befriedigende, preisgünstige Lösungen, um den Eindruck einer unwürdigen Unterbringung zu vermeiden und gleichzeitig ein Signal der Willkommenskultur auszusenden
  • Einführung einer Vorhaltepflicht von Gemeinschaftsunterkünften
  • Definition von verbindlichen Mindeststandards
  • Koordiniertes Vorgehen von Bund, Ländern und Kommunen

Näheres siehe: www.akh.de/aktuelles/aktuelles/artikel/fluechtlinge-brauchen-wohnungen-keine-behaelter/

 

Weitere grundsätzliche Forderungen für die beschleunigte Schaffung neuen Wohnraums wären z.B.

  • Überprüfung von Normen und Standards, die die öffentliche Hand auf allen Ebenen den Bauherren auferlegt, wie z.B. die hohe Grunderwerbsteuer in vielen Bundesländern oder die hohen Kosten für Bauland und dessen Erschließung.
  • Überprüfung der Angemessenheit von baurechtlichen Vorgaben wie Brandschutz, ENEV, etc., welche Investitionsentscheidungen hemmen und die Baukosten steigen lassen.
  • Gezielte Beschleunigung der Genehmigungsverfahren und generelle Verfahrenserleichterungen
  • Erhöhung der linearen AfA, alternativ die Wiedereinführung einer degressiven AfA

Dies Alles bedeutet ein Um- und Neudenken und das Infragestellen vieler vertrauter und eingespielter Verfahrensweisen. Akzeptiert man jedoch, dass das einzig Beständige der Wandel ist können die anstehenden Veränderungen als Chance für eine Weiterentwicklung erkannt werden.

 

Für die Neuen sowieso, aber auch für uns.

 

Mit kollegialen Grüßen aus Frankfurt

sign-schenk

Dipl.-Ing. Bernd Schenk

VfA Landesgeschäftsführer Hessen

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